1. Was Incoterms regeln und was nicht
Die Incoterms®-Regeln werden von der Internationalen Handelskammer (ICC) herausgegeben. Die aktuelle Fassung, Incoterms® 2020, gilt seit dem 1. Januar 2020 und umfasst 11 Regeln. Jede Regel verteilt zwischen Verkäufer und Käufer drei Dinge: wer welchen Teil des Transports organisiert und bezahlt, wo die Ware als geliefert gilt und an welchem Punkt das Risiko für Verlust oder Beschädigung übergeht. Zusätzlich ordnet jede Regel die Export- und Importabfertigung zu; zwei Regeln enthalten eine Mindestversicherungspflicht.
Ebenso wichtig ist, was die Regeln offenlassen: Eigentumsübergang, Preis und Zahlungsbedingungen, Rechtsfolgen von Vertragsverletzungen und der Frachtvertrag mit dem Transportdienstleister bleiben Sache des Kaufvertrags beziehungsweise des Beförderungsvertrags. Eine Incoterms-Regel ist eine Klausel innerhalb einer kommerziellen Vereinbarung, kein Ersatz dafür.
2. Die 11 Regeln der Incoterms 2020 im Überblick
Sieben Regeln eignen sich für jeden Verkehrsträger, auch für multimodale Transporte. Vier Regeln sind ausschließlich für See- und Binnenschiffstransporte formuliert, weil die Lieferung längsseits oder an Bord eines Schiffs erfolgt.
| Regel | Bezeichnung | Verkehrsträger | Lieferung und Gefahrenübergang, kurz gefasst |
|---|---|---|---|
| EXW | Ex Works (Ab Werk) | Alle | Die Ware wird dem Käufer beim Verkäufer unverladen zur Verfügung gestellt. Fast alle Pflichten liegen beim Käufer. |
| FCA | Free Carrier (Frei Frachtführer) | Alle | Übergabe an den vom Käufer benannten Frachtführer am benannten Ort; beim Verkäufer verladen, andernorts entladebereit. |
| CPT | Carriage Paid To (Frachtfrei) | Alle | Risiko geht mit Übergabe an den ersten Frachtführer über; der Verkäufer zahlt die Fracht bis zum benannten Bestimmungsort. |
| CIP | Carriage and Insurance Paid To (Frachtfrei versichert) | Alle | Wie CPT, zusätzlich muss der Verkäufer die Ware versichern, standardmäßig auf Allgefahren-Niveau (Institute Cargo Clauses A). |
| DAP | Delivered at Place (Geliefert benannter Ort) | Alle | Der Verkäufer liefert am Bestimmungsort, entladebereit für den Käufer. |
| DPU | Delivered at Place Unloaded (Geliefert benannter Ort entladen) | Alle | Der Verkäufer liefert und entlädt am Bestimmungsort, die einzige Regel mit Entladepflicht des Verkäufers. |
| DDP | Delivered Duty Paid (Geliefert verzollt) | Alle | Der Verkäufer liefert importverzollt am Bestimmungsort und trägt Zölle und Abgaben im Land des Käufers. |
| FAS | Free Alongside Ship (Frei Längsseite Schiff) | See / Binnenschiff | Lieferung längsseits des Schiffs im Verschiffungshafen. |
| FOB | Free on Board (Frei an Bord) | See / Binnenschiff | Lieferung an Bord des Schiffs im Verschiffungshafen. |
| CFR | Cost and Freight (Kosten und Fracht) | See / Binnenschiff | Risiko geht an Bord im Verschiffungshafen über; der Verkäufer zahlt die Fracht bis zum Bestimmungshafen. |
| CIF | Cost, Insurance and Freight (Kosten, Versicherung und Fracht) | See / Binnenschiff | Wie CFR, zusätzlich Versicherungspflicht des Verkäufers, standardmäßig mit Mindestdeckung (Institute Cargo Clauses C). |
Zwei Punkte führen in der Praxis am häufigsten zu Fehlinterpretationen. Erstens trennen die C-Regeln Kosten und Risiko: Bei CPT, CIP, CFR und CIF zahlt der Verkäufer den Transport bis zum Bestimmungsort, das Risiko ist aber bereits zu Beginn des Hauptlaufs übergegangen. Ein Angebot auf C-Basis bedeutet nicht „Risiko des Verkäufers bis zur Ankunft“. Zweitens ist DPU der 2020 eingeführte Nachfolger von DAT (Delivered at Terminal); Dokumente mit DAT beziehen sich auf die Fassung von 2010.
3. Die passende Regel für eine Spot-Sendung wählen
Bei einer einzelnen Spot-Sendung ist die Frage selten akademisch: Die Regel bestimmt, welche Transportabschnitte Sie überhaupt anfragen. Vier Prüfschritte helfen:
- Wer kontrolliert den Hauptlauf? Bei EXW, FCA, FAS und FOB kauft der Käufer den Transport ein, bei den C- und D-Regeln der Verkäufer. Fragen Sie Spot-Angebote für die Abschnitte an, für die Ihre Seite verantwortlich ist. Wer einen Abschnitt bezahlt, den die Gegenseite steuert, verliert Preis und Transparenz.
- Wo genau ist die Übergabe? Wählen Sie einen benannten Ort, der präzise genug zum Kalkulieren ist: eine Lageradresse, ein Terminal, ein Hafen. „FCA Deutschland“ ist kein Übergabepunkt.
- Wer kann realistisch verzollen? EXW überlässt die Exportabfertigung dem Käufer, was im Land des Verkäufers oft unpraktikabel ist; DDP macht den Verkäufer für Importabfertigung, Zölle und Steuern im Ausland verantwortlich. Beide Extreme verdienen eine bewusste Entscheidung statt Gewohnheit.
- Ist die Versicherung geregelt? Nur CIP und CIF verpflichten eine Partei zur Versicherung, und das mit unterschiedlichen Standard-Deckungsniveaus. Bei allen anderen Regeln entscheidet die risikotragende Partei separat über eine Warentransportversicherung.
Verwenden Sie in jedem Fall dieselbe Regel für alle eingeladenen Supplier derselben Sendung. Angebote auf Basis unterschiedlicher Verantwortungsverteilungen lassen sich nicht Position für Position vergleichen.
4. So werden Incoterms im Spoterix Spot Request angezeigt
Wenn Sie eine Spot Request erstellen, befindet sich das Feld Incoterm im Terminschritt (Schedule) neben Angebotsfrist und Transportdaten. Es ist ein Pflicht-Dropdown: Ohne Incoterm lässt sich keine Anfrage versenden, sodass kein Supplier die Verantwortungsverteilung erraten muss.
Das Dropdown bleibt deaktiviert, bis Sie den Verkehrsträger gewählt haben, und zeigt den Hinweis „Select transport mode first.“ (die Produktoberfläche ist englischsprachig). Sobald ein Verkehrsträger gesetzt ist, bietet Spoterix nur die dazu passenden Regeln an:
| Verkehrsträger | Angebotene Incoterms |
|---|---|
| Air (Luftfracht) | EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU, DDP |
| Road (Straße) | EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU, DDP |
| Ocean (Seefracht) | EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU, DDP, FAS, FOB, CFR, CIF |
| Open (supplier decides) | Alle 11 Regeln, da der Supplier eine Seeroute vorschlagen kann |
Der Filter folgt der ICC-Gruppierung: Die vier See- und Binnenschiffsregeln erscheinen nur, wenn Seefracht angefragt wird oder der Verkehrsträger offenbleibt. Ändern Sie den Verkehrsträger nach der Auswahl, leert Spoterix eine nicht mehr passende Regel automatisch: Stellen Sie eine Seefracht-Anfrage mit FOB auf Luftfracht um, wird das Feld zurückgesetzt, und Sie wählen bewusst eine gültige Regel, statt eine Luftfrachtsendung „frei an Bord“ zu versenden.
Alle eingeladenen Supplier-Kontakte sehen anschließend denselben Code in den Anfragedetails und in der Angebotsansicht, auf deren Basis sie kalkulieren. Zusammen mit einer Währung und einer Kostenstruktur bleiben die eingehenden Angebote so auf einer einheitlichen kommerziellen Grundlage. Wenn Sie die Anfrage aus einem hochgeladenen Dokument vorbefüllen, kann Spoterix einen Incoterm aus derselben Liste vorschlagen; prüfen Sie den Vorschlag wie jeden anderen extrahierten Wert gegen das Quelldokument.
5. Grenzen und Quellen
- Incoterms-Regeln verteilen Aufgaben, Kosten und Risiken zwischen Verkäufer und Käufer. Sie legen keine Frachtraten fest, übertragen kein Eigentum und ersetzen weder Kauf- noch Frachtvertrag.
- Spoterix gleicht die gewählte Regel nicht mit Ihrem Kaufvertrag ab; die Verantwortung für den korrekten Incoterm bleibt bei der anfragenden Organisation.
- Dieser Leitfaden ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Ziehen Sie bei grenzüberschreitenden Fragen (Zollverfahren, steuerliche Folgen von DDP oder Versicherungswortlaut) Ihre Fachabteilung für Handels-Compliance oder Rechtsberatung hinzu.